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Können Säuglinge durch den Mund atmen?

Baby Mundatmung Nasenatmung Bild

In den ersten Lebensmonaten atmet der Säugling durch die Nase, was beim Trinken von Vorteil ist. Das liegt daran, dass die Luftwege sich noch vollständig entwickeln müssen und die Nasenatmung deutlich effektiver ist. Schwierig wird es, wenn das Baby eine verstopfte Nase hat und durch den Mund atmen muss, da es erst mit etwa 6 Monaten richtig lernen wird, durch den Mund zu atmen.

Können Säuglinge durch den Mund atmen? Ja, das können sie, jedoch erfolgt die Atmung in den ersten Lebensmonaten überwiegend durch die Nase. Die Mundatmung muss erst erlernt werden. Das geschieht bei manchen Säuglingen schnell, bei anderen dauert es etwas länger. 

  • Wegen der noch relativ großen Zunge fällt die Nasenatmung leichter.
  • Babys stellen die Atmung noch nicht automatisch von Nasen- auf Mundatmung um.
  • Mit etwa 1,5 Jahren ist der Entwicklungsprozess abgeschlossen und das Kind kann auch richtig durch den Mund atmen.

Da die Mundatmung beim Baby noch nicht richtig funktioniert, wird es bei einer verstopften Nase eher unruhig sein und weniger Appetit zeigen. Mit offenem Mund atmen fällt ihm schwer, zumal es auf diese Weise nicht saugen kann. Eltern können jedoch helfen. 

 

Gibt es Unterschiede in der Atmung zwischen Babys und Kleinkindern?

Die Atmung von Babys ist meist flacher und schneller als bei älteren Kindern. Sie atmen hauptsächlich über die Nase. Dies ändert sich mit der Zeit. Kleinkinder beginnen, tiefer und regelmäßiger zu atmen. Sie nutzen dann auch das wachsende Lungenvolumen mehr aus und verbessern ihre Atemtechnik. Ebenso verbessert sich im Laufe der Zeit die Koordination zwischen Atemmuskulatur und Brustkorb, was die Atmung effizienter macht. Das Kleinkind lernt die Atmung besser zu kontrollieren, was beim Sprechen langer Sätze notwendig ist. 

Bereits ab dem 28. Schwangerschaftstag beginnt die Entwicklung der Lunge. Ein Erwachsener hat etwa 300 Millionen Lungenbläschen, welche mit der Geburt aber erst zu einem Bruchteil vorhanden sind. Diese Entwicklung dauert bis zum Ende des 2. Lebensjahres. 

Erst zum Ende der Pubertät wird die Lunge ihre volle Größe erreicht haben, jedoch entwickelt sie sich dann immer noch weiter. So beginnt sie im Laufe der Jahre zu altern, was wiederum langsam zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion führt. Nicht nur die Organe selbst unterlaufen einem stetigen Wandel, sondern auch das Atemmuster sowie die Lungenkapazität. 

Ein Säugling atmet schneller als ein Erwachsener. Sein Kehlkopf liegt noch relativ hoch, der Kopf ist groß und der Hals kurz. Die Atemwege sind noch relativ eng. Aus diesem Grund bekommt das Baby auch Atemprobleme, wenn die Schleimhäute anschwellen und Schleim produzieren. 

Von der Zeugung bis zum 18. Lebensmonat unterläuft die Lunge einer großen Entwicklung:

  • 3. - 8. Woche nach Konzeption: Entwicklung der Lungenanlage. Verläuft jetzt etwas falsch, wird der Körper das Ungeborene höchstwahrscheinlich abstoßen.
  • 5. - 17. Woche nach Konzeption: Die ersten Atembewegungen erfolgen.
  • 16. - 26. Woche nach Konzeption: Es bilden sich kapillare Verbindungen und die Lunge entwickelt sich weiter. Nach Abschluss dieser Entwicklung wäre ein Gasaustausch bereits möglich.
  • 24. Woche nach Konzeption bis zur Geburt: Das Lungengewebe entwickelt sich stetig weiter. 
  • 36. Woche nach Konzeption bis 18. Lebensmonat nach Geburt: Die alveoläre Oberfläche vergrößert sich nach und nach.
  • Geburt bis 2. - 3. Lebensjahr: Weitere Entwicklung der alveolären Oberfläche, welche mit dem 3. Lebensjahr abgeschlossen ist.

Warum ist die Atmung bei Babys anders als bei Erwachsenen?

Vergleichst du die Atmung eines Erwachsenen mit der eines Säuglings, so fällt auf, dass der Erwachsene viel langsamer und gleichmäßiger atmet. Das Baby dagegen hat eine noch relativ schnelle Atmung und die Atemzüge erfolgen auch nicht so tief. Das ist aber ganz normal, denn die Atmung muss beim Baby noch ausreifen.

Im Vergleich zum Erwachsenen haben Babys eine andere Atemfrequenz, ein anderes Atemmuster und ein kleineres Atemvolumen. Auch die Atemkontrolle funktioniert noch nicht vollständig.

Die Atemfrequenz ist beim Baby deutlich höher und liegt bei etwa 30 bis 60 Atemzügen pro Minute. Oftmals zeigt sich auch ein unregelmäßiges Atemmuster.

Babys haben ein geringeres Lungenvolumen, weshalb das Atemvolumen deutlich kleiner ist. Aus diesem Grund müssen sie auch öfter atmen, damit sie ausreichend Sauerstoff bekommen.

Bei deinem Baby ist die Atemregulation und -kontrolle noch nicht ausgereift. Deshalb fällt es ihm oft schwer, das Atemmuster zu kontrollieren. Dies hat zur Folge, dass immer wieder periodische Atempausen auftreten können.

In der Regel ändert sich die Atmung mit zunehmendem Alter und entwickelt sich zu einem ganz normalen Atemverhalten. Das Baby muss sich nach der Geburt erst anpassen und lernen, allein zu atmen. Bisher wurde es über die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt. 

Während des ersten Lebensjahres entwickelt sich die Atemmuskulatur stetig weiter und wird stärker. Das Baby lernt nun auch das Atemmuster zu kontrollieren. Dies lernt es zum Beispiel durch die Atemanpassung bei verschiedenen Aktivitäten. 

Wie entwickelt sich die Atmung beim Neugeborenen?

Nach der Geburt wird es für das Baby Zeit, selbstständig zu atmen. Der erste Atemzug aktiviert die Atemmuskulatur, die Lungen dehnen sich aus und die Flüssigkeit wird aus den Lungenbläschen verdrängt. 

Während der Gasaustausch in der Schwangerschaft über die Plazenta erfolgte, ist nun der kleine Körper selbst dafür zuständig. Die Gefäßverbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenstamm schließt sich, wodurch das Neugeborene einen eigenständigen Kreislauf erhält. 

In den ersten Wochen kann die Atmung des Neugeborenen noch unregelmäßig sein, da das Atemzentrum im Gehirn noch eine Entwicklung durchläuft. Deshalb kann es vorkommen, dass das Baby manchmal schnell und manchmal langsam atmet. 

Die ersten Stunden nach der Geburt sind für das Baby wichtig, denn in dieser Zeit werden viele physiologische Prozesse aktiviert, die für eine normale Atmung und Sauerstoffversorgung wichtig sind.

Warum atmen Babys hauptsächlich durch die Nase?

Ein offener Mund mag beim Baby so wirken, als würde es durch diesen atmen, doch ist das in der Regel nicht der Fall. Sie atmen hauptsächlich durch die Nase und das hat seine Gründe.

  • Filterung und Anfeuchtung: Die kleinen Härchen in der Nase sowie die Schleimhäute filtern Schmutz aus der Luft. Zudem wird die eingeatmete Luft in der Nase befeuchtet. So werden die noch empfindlichen Atemwege besser geschützt und das Eindringen von Krankheitserregern wird minimiert.
  • Temperaturregelung: Die eingeatmete Luft wird bei der Nasenatmung auf eine normale Lufttemperatur gebracht. Somit kann verhindert werden, dass zu kalte oder heiße Luft die feinen Lungenbläschen schädigt.

Vergleichst du die Atemwege eines Erwachsenen mit denen eines Babys, so sind letztere deutlich kleiner und enger. Die Nase des Babys ist noch klein und somit sind auch die Nasengänge noch nicht ausgewachsen. In Proportion zum Kopf des Babys gesehen, passen die Nasengänge anatomisch jedoch sehr gut. Sie wachsen, je größer das Kind wird. 

Die kleinen Nasengänge haben beim Stillen den Vorteil, dass das Kind besser atmen kann und die Nase nicht durch die Brust blockiert wird. Im Grunde ist die Struktur und Größe von der Natur geschickt gemacht und genau an die Bedürfnisse des Neugeborenen angepasst.

Wann beginnen Babys, durch den Mund zu atmen?

Es gibt keine pauschale Antwort auf diese Frage, denn es hängt vom Kind ab. Manche lernen die bewusste Mundatmung schon mit wenigen Lebensmonaten, andere erst etwas später. Wie schnell die Fähigkeit der Mundatmung beim Baby kommt, hängt von Faktoren wie der körperlichen Entwicklung und dem gesundheitlichen Zustand des Kindes ab. Somit ist das ein individueller Prozess.

Sofern dein Baby oder Kleinkind dauerhaft durch den Mund atmet, solltest du mit einem Arzt Rücksprache halten. Hier können Gesundheitsprobleme wie eine verstopfte Nase, eine schiefe Nasenscheidewand oder andere Ursachen der Auslöser sein.

Was tun, wenn das Baby Schnupfen hat?

Schnupfen beim Baby kann für dich eine große Herausforderung sein, denn die verstopfte Nase bereitet deinem Kind Probleme beim Atmen. Das Kleine bekommt schlecht Luft, es kann nur mit Mühe trinken und muss immer wieder absetzen, da es nach Luft schnappen muss. Zudem hat es die Mundatmung noch nicht erlernt.

Du kannst dein Baby aber unterstützen, damit es den Schnupfen leichter übersteht:

  • Nutze einen Nasensauger, um das Sekret aus der Nase zu entfernen. Achte jedoch darauf, dass du einen sanften Sauger verwendest, um die Nasenschleimhaut nicht zu verletzen.
  • Nasensprays helfen, die Nasengänge zu öffnen. Lass dir ein Präparat vom Kinderarzt empfehlen und nutze es nur nach ärztlicher Anweisung.
  • Verwende Luftbefeuchter, um die Luftfeuchtigkeit im Raum zu erhöhen. Das kann der Schleimhaut helfen, sich zu beruhigen und der Schleim löst sich besser.
  • Sorge dafür, dass dein Baby ausreichend trinkt, dies kann Muttermilch, aber auch Pre-Milch sein. Die Flüssigkeit ist für den Körper wichtig und sorgt dafür, dass sich der Schleim besser löst.
  • Klopfe dem Baby leicht auf den Rücken, während du es aufrecht auf dem Arm trägst. So kann sich der Schleim besser lösen.
  • Eine rauchfreie Umgebung sollte selbstverständlich sein, ist nun aber noch wichtiger!

Wann immer du unsicher bist, sprich mit deinem Kinderarzt, denn bei kleinen Babys kann sich der Gesundheitszustand schnell verschlechtern!

Wie kann man Babys helfen, nachts besser zu atmen?

Das Baby holt sich seinen nötigen Schlaf auch tagsüber, doch für dich können die Nächte kurz sein, wenn das Baby eine Erkältung hat. Es wacht häufig auf, weint viel und lässt sich nur schwer beruhigen. Damit es auch mit Erkältung nachts besser schläft, kannst du ihm aber helfen.

  • Erhöhe das Kopfende leicht, damit das Baby leichter atmen kann. Lege dafür ein festes Kissen oder eine zusammengerollte Decke unter die Matratze.
  • Verwende einen Nasensauger, um das Sekret abzusaugen.
  • Sorge für eine Raumtemperatur zwischen 18 - 20 Grad.
  • Nutze einen Luftbefeuchter, um die Luftfeuchtigkeit angenehmer zu machen. Dies ist insbesondere während der Heizsaison hilfreich.

Ätherische Öle sind zu vermeiden, denn sie können auch genau das Gegenteil bewirken und die Atmung nur noch mehr erschweren.

Welche Rolle spielen Nasensauger bei Babys mit Schnupfen?

Mit einem Nasensauger kannst du überschüssiges Nasensekret aus der Babynase entfernen. Das Baby ist noch nicht in der Lage, sich selbst die Nase zu säubern oder zu schnäuzen.

Du hast die Wahl zwischen elektrischen und manuellen Nasensaugern. Beim manuellen Nasensauger musst du ein Ende vorsichtig in das Nasenloch einführen, während du am anderen Ende saugst. Ein Filter am Sauger verhindert, dass du das Sekret in den Mund bekommst.

Anwendung manueller Nasensauger bei Kleinkind

Der elektrische Nasensauger funktioniert meist mit Batterie oder Akku. Sie saugen das Sekret durch sanften Unterdruck aus der Nase und sind somit auch deutlich angenehmer für das Baby.

Bei der Nutzung des Nasensaugers ist es wichtig, dass du behutsam vorgehst, um die empfindliche Nasenschleimhaut nicht zu verletzen. Reinige den Nasensauger nach jedem Gebrauch gründlich, um eine Verbreitung von Krankheitserregern zu verhindern.

Bevor du den Nasensauger verwendest, befeuchte die Nasengänge mit einer Kochsalzlösung, um das Sekret zu lockern und die Nasengänge ein wenig zu öffnen. Nutze den Nasensauger nicht übermäßig viel, da das Einführen die Nasenschleimhaut reizt.

Ein Nasensauger bietet dir Vorteile, denn du kannst deinem Baby damit helfen, leichter zu atmen. Die Nutzung vor der Schlafenszeit oder dem Füttern erleichtert dem Baby die Atmung. Sofern sich zu viel Schleim in den Atemwegen sammelt, kann das beim Baby oder Kleinkind schnell zu Ohrenschmerzen führen. Deshalb sollte dieser bei einer Erkältung abgesaugt werden.

Wie beeinflussen Atemwegserkrankungen die Atmung von Babys?

Atemwegserkrankungen können sich beim Baby unterschiedlich auf die Atmung auswirken. Häufige Erkrankungen sind:

  • Erkältung, grippaler Infekt
  • Bronchiolitis
  • Lungenentzündung

Du solltest alle Atemwegserkrankungen ernst nehmen und das Kind in ärztliche Behandlung geben. Das Immunsystem des Kindes muss noch heranreifen und ist somit mit einer kleinen Erkältung schon überfordert.

Du kannst das Risiko einer Atemwegserkrankung minimieren, indem du Hygieneregeln einführst, wie regelmäßiges Händewaschen. Vermeide auch, dass kranke Personen engen Kontakt mit dem Baby haben. Sprich zudem mit dem Kinderarzt über mögliche Impfungen und nutze diese Möglichkeit auch. 

Wir von 12minutes empfehlen dir zudem unseren Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kinder. Dort lernst du, wie du deinem Kind bei Atemnot helfen kannst und welche Schritte notwendig sind, bis der Rettungswagen bei dir eintrifft. Unser Kurs erlaubt dir, ihn ganz einfach online durchzuführen. Als Eltern von Kindern und erfahrene Notfallmediziner haben wir den Kurs für Eltern zusammengestellt, damit du deinem Kind im Ernstfall zur Seite stehen kannst.

Alles Gute und herzliche Grüße
Euer Lukas

Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

 Autorenkarte Dr. med. Lukas Dehé vor Helikopter mit Text

 Dr. med. Lukas Dehé
Vater, Notfallmediziner (u.a. Rettungshubschrauber) und Gründer von 12minutes


 

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