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Erstickungsrisiken für Babys: Ursachen, Anzeigen und Prävention

Dr. med. Lukas Dehé erläutert ersticken bei Babys

Der plötzliche Kindstod ist auch als Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) bekannt und bezeichnet das unerwartete Ableben eines gesunden Babys im Schlaf. Dies ist die größte Angst vieler Eltern und dennoch sind die Gründe hierfür bis heute nicht vollständig erforscht. Forschungen zeigen jedoch, dass es Risiken gibt, die den plötzlichen Kindstod fördern können.

Nicht zu verwechseln ist der plötzliche Kindstod aber mit dem Ersticken, womit wir uns in diesem Artikel beschäftigen. Das Ersticken kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Beim plötzlichen Kindstod hört das Baby einfach auf zu atmen, beim Ersticken spielt oftmals die Fremdeinwirkung eine Rolle, zum Beispiel ein Kissen, das sich das Baby auf das Gesicht zieht.

Ab wann können Babys nicht mehr ersticken? Das Risiko des Erstickens ist in den ersten vier Lebensmonaten am höchsten und sinkt ab dem sechsten Lebensmonat. Jedoch besteht auch noch nach dem ersten Lebensjahr das Risiko des Erstickens durch verschluckte oder eingeatmete Fremdkörper.

Wie kann ich das Risiko für das Ersticken senken?

  • Säugling in Rückenlage schlafen lassen
  • keine losen Decken oder Kissen im Bett
  • feste Matratze
  • rauchfreie Umgebung
  • angemessene Raumtemperatur im Schlafzimmer
  • regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt wahrnehmen

Welche häufigen Ursachen führen zum Ersticken von Babys im Schlaf?

Da das Ersticken von Babys im Schlaf so unerklärlich scheint, suchen Forscher nach den Ursachen. Krankheit kann natürlich eine sein, doch meist liegt es an scheinbar banalen Dingen. Viele Todesfälle hätten vermutlich verhindert werden können, wenn Eltern die Risiken minimiert hätten. Bei Untersuchungen der Todesfälle fällt auf, dass etwa 69 % der Babys nicht älter als 3 Monate waren. Ein möglicher Grund wird in einer unvorteilhaften Bettausstattung vermutet. 

Das Baby ist in den ersten Lebensmonaten nicht in der Lage, sich selbstständig zu drehen oder sich eine Decke oder ein Kissen vom Gesicht zu ziehen. Es ist aber durchaus in der Lage, sich genau diese Gegenstände auf das Gesicht zu ziehen. Deshalb der Rat an alle Eltern: Kissen, Decken oder Kuscheltiere haben im Babybett nichts verloren! Es sollten keine Dinge im Bett liegen, die sich das Baby auf das Gesicht oder über den Kopf ziehen kann.

Ab wann können Babys nicht mehr ersticken? Ab etwa 4 Monaten sinkt das Risiko, da das Baby zunehmend beweglicher wird. Dennoch solltest du die Risikofaktoren so gut es geht reduzieren. Hierzu gehören:

  • Unvorteilhafte Bettausstattung: Weiche Matratzen, Kissen, Decken und Stofftiere sind ein großes Risiko.
  • Säugling in Bauchlage: Bevorzuge die Rückenlage, denn so kann das Kind besser atmen. Zudem kann es sein Gesicht nicht in die Matratze drücken.
  • Überhitzung: Viele Kleidungsschichten führen zum Überhitzen. Prüfe im Nacken des Babys, ob es schwitzt. Wenn dieser sehr warm oder gar feucht ist, ziehe dem Baby lieber einer Lage weniger Kleidung an.
  • Rauchen: Das Rauchen während der Schwangerschaft erhöht das Risiko für den plötzlichen Kindstod. Auch danach sollte die Wohnung rauchfrei bleiben.
  • Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht: Sofern das Baby zu früh geboren wurde oder ein sehr niedriges Geburtsgewicht hatte, ist das Risiko für SIDS höher. 

Manche Faktoren wie eine Frühgeburt oder ein niedriges Geburtsgewicht kannst du nicht verhindern. In diesem Fall kannst du dein Baby aber mit speziellen Überwachungsgeräten schützen. Diese geben Alarm, sobald das Baby nicht mehr atmet.

Dr. med. Lukas Dehé erklärt auf Sofa sitzend

Wie können weiche Bettausstattungen zur Gefahr werden?

Ein Schlafsack bietet deinem Baby Wärme und kann ein Ersticken verhindern. Ebendarum gibt es die Schlafsäcke auch in verschiedenen Arten wie für Sommer und Winter, damit das Baby nicht schwitzt oder friert. Achte aber auf die passende Größe, denn ist der Schlafsack zu groß, kann das Kind hineinrutschen. 

Die wohl größte Gefahr geht nämlich vom Bett aus. Eltern gestalten das Bett liebevoll und möchten es dem Baby schön kuschelig einrichten. Doch genau hier lauert die Gefahr. 

Weiche Matratzen, in die das Baby regelrecht einsinkt, sind nicht nur schlecht für den Rücken. Das Baby liegt in einer Mulde und sofern es auf dem Bauch liegt, könnte es ersticken. Es kann den Kopf noch nicht selbstständig heben, liegt somit mit dem Gesicht in der Mulde und bekommt keine Luft mehr.

Kissen und Decken kann es sich über den Kopf ziehen. Schnell kommt es zu einer Überhitzung des kleinen Körpers oder dein Kind bekommt keine Luft mehr. Von allein zieht sich ein Baby den Gegenstand noch nicht vom Gesicht. Gleiches gilt für Stofftiere oder weiche Bettumrandungen. Auch sie stellen ein großes Risiko dar, da sie auf dem Gesicht landen und das Baby ersticken könnten. 

Ein Baby braucht zum Schlafen ein eigenes Bettchen, eine Matratze, in die es nicht einsinkt und einen Schlafsack. Auch wenn das Bett sehr karg und ungemütlich aussieht, so bietet es dem Baby eine sichere Schlafumgebung, in der es sich nicht selbst ersticken kann.

Welche Rolle spielen Eltern beim Erstickungsrisiko ihrer Babys?

Selbstverständlich willst du für dein Kind nur das Beste. Dennoch ist es oft die Unwissenheit der Eltern, die das Baby gefährdet. Im Idealfall bereiten sich Eltern zusammen auf eine geplante Schwangerschaft vor und legen schlechte Angewohnheiten wie Alkoholkonsum oder Rauchen noch vor der Zeugung ab. Doch nicht alles lässt sich im Leben planen und viele Schwangerschaften passieren ungeplant. 

Du musst kein schlechtes Gewissen haben, wenn du während der Schwangerschaft geraucht hast. Auch kann es sein, dass du noch ausgiebig gefeiert hast, bevor du von der Schwangerschaft wusstest. Dennoch möchten wir dir erklären, welche Rolle diese Lebensgewohnheiten beim Erstickungsrisiko spielen, damit du dein Kind besser schützen kannst.

Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum sind während der Schwangerschaft schädlich für das Ungeborene. Es kann die ganze Entwicklung beeinflussen und sogar zu schweren Behinderungen führen. Das Baby wird nach der Geburt unter Entzugserscheinungen leiden, es kann zu früh geboren werden und ein zu niedriges Geburtsgewicht haben. Oftmals leiden diese Babys auch unter Anpassungsschwierigkeiten und können sogar Probleme bei der Atmung haben. Das Risiko für den plötzlichen Kindstod ist für Babys in diesem Fall sehr hoch.

Wenn das Baby bereits geboren ist, sollten Eltern aber auch jetzt auf Drogen und Nikotin möglichst verzichten und mit Alkohol verantwortungsvoll umgehen. Abgesehen davon sind diese Substanzen während der ganzen Stillzeit für die Mutter tabu, da sie in die Muttermilch übergehen.

Alkohol und Drogen beeinflussen das Urteilsvermögen, die Aufmerksamkeit sowie die Reaktionsfähigkeit. Somit kann es passieren, dass du nicht richtig Sorge für dein Baby tragen kannst.

So gut du dich auch um dein Kind kümmerst, gibt es Risiken, die du einfach nicht als Risiko einstufst. Hier sei das Rauchen zu erwähnen. Es sollte selbstverständlich sein, dass in der Umgebung des Babys nicht geraucht wird. Auch nicht an einem geöffneten Fenster, wenn das Baby nicht im Raum ist. Die Giftstoffe des Rauchs lagern sich in der ganzen Wohnung ab und der Raucht zieht sogar durch verschlossene Türen. Der Rauch kann nicht nur Atemwegsprobleme beim Baby auslösen, sondern auch den plötzlichen Kindstod fördern.

Decken, Kissen, Spielzeug oder kleine Teppiche sollten niemals dort liegen, wo sich das Baby auch einmal unbeaufsichtigt aufhält. Ein kurzer Moment ist schon ausreichend, um sich einen Gegenstand über das Gesicht zu ziehen. 

Ersticken spricht nicht nur den plötzlichen Kindstod an. Irgendwann ist die Zeit gekommen, in der du dem Baby Beikost fütterst oder es sich allein auf dem Boden bewegen darf. Spätestens jetzt gilt es darauf zu achten, dass keine Kleinteile in greifbarer Nähe sind, die verschluckt werden könnten. Beikost muss immer möglichst klein geschnitten werden und sollte weich sein. Wenn das Baby an einem Stück Apfel oder einer Banane knabbert, lasse es nicht mit dem Essen allein, damit du gleich eingreifen kannst, sollte es sich doch verschlucken.

Was ist das Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) und wie unterscheidet es sich von anderen Todesursachen?

Sudden Infant Death Syndrom, kurz SIDS genannt oder auch als plötzlichem Kindstod bekannt, ist eine unerklärliche Todesursache bei Säuglingen. Die Kinder sind scheinbar gesund und sterben im Schlaf. 

Der Unterschied zu anderen Todesursachen besteht darin, dass die Kinder keine vorausgehende Erkrankung haben und somit anscheinend ohne Grund zu atmen aufhören.

Um SIDS besser verstehen zu können, werden nach dem Ableben der Babys Untersuchungen durchgeführt. Anhand dieser lassen sich Gesundheitsprobleme, Verletzungen oder Infektionen sowie Gendefekte ausschließen. Somit spricht die Medizin immer dann vom plötzlichen Kindstod, wenn das Baby vollkommen gesund war und es demnach keinen ersichtlichen Grund für den Atemstillstand gab.

Welche präventiven Maßnahmen können Eltern ergreifen, um das Risiko des plötzlichen Kindstodes zu minimieren?

Sicherlich ist dir klar, dass Passivrauchen ohnehin sehr schädlich ist. Doch Kinder können sich dagegen nicht wehren und sind den Giftstoffen hilflos ausgesetzt. Der Körper nimmt die Schadstoffe auf, welche sich negativ auf die Organe, insbesondere die Lunge auswirken und diese sogar schwer schädigen können. 

Da die Atemfrequenz von Kindern höher ist und das Gewicht niedriger, nehmen sie die Schadstoffe in großer Menge auf. Hinzu kommt, dass ihr Entgiftungssystem noch nicht fertig ausgebildet ist. Ein Kind nimmt während einer Stunde in einem verqualmten Raum so viele Schadstoffe auf, als würde es selbst rauchen. 

Die Schadstoffe hängen nicht nur in der Luft, sondern auch in Teppichen, Vorhängen, Tapeten und auf Möbeln. Somit hilft selbst Lüften nicht viel, denn die Schadstoffe sind im Raum und werden an die Raumluft abgegeben. Gleiches gilt natürlich auch für das Rauchen im Auto.

Um das Kind zu schützen, sollte deshalb im gesamten Haus nicht geraucht werden.

Werdenden Müttern wird empfohlen, während der Schwangerschaft nicht zu rauchen und das aus gutem Grund. Alle Chemikalien aus den Zigaretten gehen in die Plazenta über und werden so an das Ungeborene weitergegeben. Zigaretten enthalten etwa 250 Giftstoffe und krebserregende Stoffe

Dies bleibt für das Ungeborene nicht ohne Folgen. Häufig sind Babys von rauchenden Müttern bei der Geburt deutlich leichter und krankheitsanfälliger. Außerdem kann es zu Frühgeburten, Fehlgeburten, Wachstumsverzögerungen sowie einem erhöhten Risiko für plötzlichen Kindstod kommen. Nicht zu vergessen die Komplikationen, die während der Schwangerschaft auftreten können wie eine eingeschränkte Funktion der Plazenta.

Somit ist natürlich die beste Prävention, das Rauchen bereits beim Kinderwunsch einzustellen. Abgesehen vom Rauchen sind folgende Tipps auch sehr wertvoll, um das Risiko des plötzlichen Kindstodes zu minimieren:

  • Eigenes Bett: Babys sollten nicht im elterlichen Bett schlafen. Ein Beistellbett erweist sich hier als sehr nützlich.
  • Optimale Raumtemperatur: Eine Temperatur zwischen 18 und 21 Grad gilt als ideal.
  • Vorsorgeuntersuchungen: Nutze diese, denn der Kinderarzt kann Auffälligkeiten feststellen.
  • Stillen: Versuche, dem Baby möglichst lange Muttermilch zu bieten, denn diese reduziert das Risiko von SIDS.
  • Decken und Kissen: Lass keine losen Bettteile wie Decken, Kissen oder Stofftiere im Kinderbett liegen. Achte auf eine ausreichend feste Matratze.

Auf jeden Fall empfehlen wir von 12minutes einen Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kinder. Dieser ist speziell für Eltern gemacht und lässt sich ganz einfach online durchführen. Als erfahrene Notärzte haben wir die unterschiedlichsten Szenarien zusammengetragen, die Babys und Kindern passieren können. Mit unserem Kurs bist du für den Ernstfall gewappnet und kannst deinem Kind helfen, bis der Rettungswagen eintrifft.

Welche Rolle spielt die Schlafumgebung für die Sicherheit des Babys?

Es ist gut gemeint, wenn du den Schlafraum des Babys angenehm warm hältst, doch das ist nicht nötig. Ein Baby schläft bei einer Raumtemperatur von 18 bis 21 Grad optimal. Mit ausreichender Kleidung und einem Schlafsack wird es so auch nicht frieren. 

Ob die Temperatur für dein Baby passt, testest du im Nacken. Sofern dieser nicht schwitzig und übermäßig heiß ist, hat es das Baby angenehm. Wenn es friert, wird es ohnehin unruhig werden und weinen.

In den ersten Monaten benötigt dein Baby kein eigenes Kinderzimmer. Im Elternzimmer schläft es gut und sicher. Zudem wirken die elterlichen Atemgeräusche beruhigend auf das Kind. Sofern du noch stillst, stelle ein Beistellbett neben das Elternbett. So kannst du das Baby zum Stillen einfach zu dir holen und danach wieder sicher in seinem Beistellbett ablegen.

Im elterlichen Bett sollte das Baby nicht schlafen. Hier ist das Risiko hoch, dass es in der Nacht aus Versehen erstickt wird, weil es unter ein Kissen oder die Decke rutscht. Zudem kann es hier für das Baby schnell zu warm werden.

Im Idealfall lüftest du den Raum, bevor das Baby zu Bett geht, denn frische Luft dient auch einem guten Schlaf. Das Fenster sollte jedoch nicht die ganze Nacht über offen stehen, wenn es draußen schon kälter ist.

Achte darauf, dass das Babybett weder neben der Heizung noch nah am Fenster steht. Hier kann die Zugluft ungünstig sein und die warme Heizungsluft kann zu einer Überhitzung des kleinen Körpers führen.

Wie wirkt sich die Entwicklung des Babys auf die Erstickungsgefahren im Schlaf aus?

Je älter das Baby wird, umso beweglicher wird es auch. Somit ist die Gefahr des Erstickens im Schlaf mit fortschreitender Entwicklung auch geringer. Deshalb sollte das Baby zu Beginn auch auf dem Rücken schlafen, denn es kann in den ersten Monaten den Kopf nicht selbst heben oder sich umdrehen. 

Sobald es das Umdrehen sicher beherrscht, wird es die Schlafposition von allein wechseln. In diesem Fall ist es auch nicht mehr nötig, das Kind umzudrehen, wenn es doch auf dem Bauch schlafen sollte. 

Gleiches gilt für die kleinen Händchen, die sich mit zunehmendem Alter selbst von einem Kissen oder einer Decke befreien können. Dennoch gilt hier die Empfehlung, auf Kissen und Decken im 1. Lebensjahr komplett zu verzichten. 

Tipps für einen sicheren Schlafplatz für Neugeborene

Du brauchst für das Neugeborene kein eigenes Zimmer. Mit folgenden Tipps wird es im Elternzimmer gut schlafen:

  • Eigenes Bett: Gitterbett, Stubenwagen, Beistellbett oder Wiege – Hauptsache, es schläft allein.
  • Kein Bettzeug: Kissen, Decken, Stofftiere und lose Tücher haben im Bett nichts verloren.
  • Zugluftgeschützt: Nicht neben dem Fenster oder der Heizung.
  • Raumtemperatur: 18 bis 21 Grad sind optimal.
  • Schlafsack: Nutze einen Schlafsack, der der Jahreszeit angepasst ist, damit das Baby weder friert noch schwitzt.
  • Rauchfreie Umgebung: Im ganzen Haus sollte nicht geraucht werden.

Ich hoffe, dieser Beitrag konnte Euch weiterhelfen. Bei Fragen oder Anmerkungen, schreibt mir gerne eine E-Mail an [email protected]

Herzliche Grüße
Euer Lukas

Autorenkarte Dr. med. Lukas Dehé vor Helikopter mit Text

 Dr. med. Lukas Dehé
Vater, Notfallmediziner (u.a. Rettungshubschrauber) und Gründer von 12minutes

 


 

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