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Fieber beim Baby: Erste Schritte und Maßnahmen

Dr. med. Annalena Dehé

Hat das Baby oder Kleinkind Fieber, ist das für Eltern besorgniserregend. Diese sind oft verunsichert, ab welcher Temperatur es sich tatsächlich um Fieber handelt und wie sie ihrem Kind am besten helfen. Apotheken bieten hier verschiedene fiebersenkende Medikamente, doch diese sollten nur mit ärztlicher Rücksprache verabreicht werden. Meist lässt sich eine erhöhte Temperatur schon mit einfachen Maßnahmen senken.

Was muss ich bei einem Baby mit Fieber tun? Die Erste-Hilfe bei Babys mit Fieber ist sehr wichtig, denn Fieber bei Babys kann den Allgemeinzustand schnell verschlechtern. Aus diesem Grund solltest du auch wissen, ab welcher Temperatur man überhaupt von Fieber spricht. Hier eine Übersicht:

  • Normale Körpertemperatur: 36,5 bis 37,5 Grad
  • Erhöhte Temperatur: 37,6 bis 38,4 Grad
  • Fieber bei Babys unter 3 Monaten: ab 38 Grad
  • Fieber bei Kindern über 3 Monaten: 38,5 Grad
  • Hohes Fieber: ab 39 Grad

Erste Schritte, wenn das Baby Fieber hat:

  1. Vergewissere dich mit einem Fieberthermometer, wie hoch die Temperatur ist.
  2. Ziehe dem Baby leichte Kleidung an und decke es mit einer dünnen Decke zu, damit sich die Wärme nicht staut.
  3. Gib dem Baby ausreichend zu trinken und biete etwa alle 30 Minuten Flüssigkeit an oder lege es an die Brust.
  4. Beobachte das Baby genau. Zeigt es Auffälligkeiten wie einen steifen Nacken, rufe den Rettungsdienst.
  5. Miss die Temperatur regelmäßig, um sie im Blick zu behalten.
  6. Versuche, das Fieber mit einem feuchten Wickel zu senken.
  7. Verabreiche dem Baby nur fiebersenkende Medikamente, wenn diese auch vom Arzt verordnet wurden.

Die verschiedenen Möglichkeiten der Temperaturmessung

Dr. med. Annalena Dehé erklärt Fieber bei Baby

Fiebernde Kinder sind keine Seltenheit und in den ersten Lebensjahren tritt es relativ häufig auf. Statistiken zeigen, dass etwa 70 % aller Beratungen bei Kinder- und Hausärzten wegen Fieber bei Kindern erfolgen. Hier handelt es sich jedoch nicht immer um hohes Fieber, denn Eltern suchen aus Verunsicherung auch schon bei leichtem Fieber den Arzt auf. 

Denke daran, dass du immer einen Kinderarzt kontaktieren kannst, wenn du dir unsicher bist. Er kann feststellen, ob dein Baby ernsthaft krank ist oder einfach einen fieberhaften Infekt hat. Zudem wird dir der Arzt fiebersenkende Maßnahmen nennen und kann altersgerechte Medizin verordnen.

Doch kommen wir zum Messen der Temperatur, denn der Markt bietet hier verschiedene Thermometer und somit Möglichkeiten. Vorab möchten wir gleich erwähnen, dass ein elektrisches Fieberthermometer die beste Wahl ist, denn es misst die Temperatur innerhalb weniger Sekunden und ist sehr genau.

Die Temperatur kannst du rektal, axillar, aurikulär oder oral messen. Das bedeutet:

  • Rektal = im Po
  • Axillar = unter den Achseln
  • Aurikulär = im Ohr
  • Oral = im Mund

Die rektale Messung bietet das wohl genaueste Messergebnis. Jedoch kann sie für das Baby etwas unangenehm sein. Sorge vor dem Messen dafür, dass dein Baby bequem auf dem Rücken oder der Seite liegt. Trage etwas Vaseline auf die Spitze des Fieberthermometers auf und führe es dann vorsichtig etwa ein bis zwei Zentimeter tief in den After ein. Sobald das Messergebnis angezeigt wird, ziehe das Thermometer vorsichtig heraus. Damit das Baby beim Messen ruhig bleibt, kannst du es mit einem Spielzeug ablenken.

Bei der Messung unter den Achseln ist es wichtig, dass das Kind möglichst ruhig bleibt und das Thermometer fest unter der Achsel klemmt. Bedenke aber, dass der Messwert unter den Achseln um bis zu zwei Grad abweichen kann. Drücke nach Möglichkeit den Oberarm deines Kindes gegen seinen Körper, wenn du das Thermometer positioniert hast. So erhält es einen guten Hautkontakt und kann die Temperatur relativ genau messen.

Die Messung im Ohr erfolgt mit einem Infrarotthermometer. Die Spitze des Thermometers wird dabei vorsichtig in den vorderen Bereich des Ohres eingeführt. Gemessen wird dabei die Wärme, die das Trommelfell abgibt. Diese kann etwa 0,3 bis 0,5 Grad niedriger als die rektale Temperatur sein. Gerade bei Babys wird von der Messung im Ohr eher abgeraten, da hier die Gefahr von Verletzungen im Ohr groß ist.

Ebenso gibt es Infrarotthermometer, welche die Temperatur an der Stirn messen. Hierfür musst du das Thermometer nur an die Stirn des Kindes halten. Doch auch diese sind nicht so genau, denn wenn die Haut gerade kalt ist, misst das Thermometer eine falsche Temperatur. Hast du erst einen Stirnwickel gemacht, könnte das Ergebnis nicht richtig sein.

Bei der oralen Messung steckst du das Fieberthermometer unter die Zunge, die Lippen sollten während der Messung verschlossen sein. Diese Methode eignet sich vorwiegend für ältere Kinder. Achte darauf, dass dein Kind während der Messung nicht auf dem Thermometer herumkaut und es auch nicht wie einen Lolli lutscht. Es soll einfach still unter der Zunge liegen, bis das Signal ertönt und du den Wert ablesen kannst. Für Babys und Kleinkinder ist die orale Messung noch nicht geeignet. Allerdings gibt es für diese Altersgruppen Schnuller-Thermometer. Diese liegen zwar nicht direkt unter der Zunge, nehmen aber die Wärme aus dem Mund wahr und messen sie. Sie sind ganz praktisch für die Nacht, wenn du die Temperatur kontrollieren möchtest, ohne das Baby zu wecken.

Generell ist die rektale Messung die wohl sicherste Art, um die Temperatur möglichst genau zu messen. Die Thermometer gibt es mittlerweile auch schon sehr modern mit einer flexiblen, biegsamen Spitze, damit das Messen für das Baby möglichst angenehm ist. Wähle ein Fieberthermometer, das die Temperatur innerhalb weniger Sekunden anzeigt, damit das Baby nicht so lange ausharren muss. Gerade ältere Thermometer zählen relativ langsam nach oben und benötigen somit für eine Messung bis zu einer Minute. Das ist für Babys oft zu lange.

Was löst Fieber beim Baby aus?

Ob dein Baby Fieber hat, kannst du oftmals schon an seinem Aussehen und Verhalten erkennen. Achte auf folgende Gegebenheiten:

  • Blasses oder gerötetes Gesicht
  • Kühle oder heiße Haut
  • Schläfrige oder glasige Augen
  • Wenig Appetit
  • Weinerlich und unruhig

Bereits leichtes Fieber kann sich durch ein verändertes Verhalten zeigen. Eine erhöhte Körpertemperatur muss aber nicht immer durch Bakterien oder Viren ausgelöst werden. Gerade Babys neigen zu leichtem Fieber, wenn die Zähne kommen. Manche Kinder haben auch eine höhere Temperatur, wenn sie gerade einen Wachstumsschub durchlaufen. 

Allerdings gilt zu bedenken, dass der gesundheitliche Allgemeinzustand hier mehr entscheidend ist als die Höhe des Fiebers. So gibt es schwere Krankheiten, die mit einer geringen Erhöhung der Temperatur einhergehen und banale Erkrankungen, die einen starken Temperaturanstieg auslösen

Was sollte man jedoch tun, wenn ein Säugling Fieber hat? Hier solltest du tatsächlich immer einen Kinderarzt einbeziehen, denn gerade das Neugeborene ist noch nicht in der Lage, mit Fieber Viren und Bakterien zu bekämpfen. Eine Infektion kann sich in dem kleinen Körper schnell ausbreiten und zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Achte beim Baby insbesondere auf die Fontanelle auf dem Kopf. Sofern diese eingefallen ist, hat dein Baby bereits einen drastischen Flüssigkeitsmangel, welcher unbedingt ausgeglichen werden muss.

U.a. folgende Ursachen können Fieber auslösen:

  • Bakterien und Viren
  • Impfungen
  • Stoffwechselerkrankungen

Fieber ist eine Antwort des Immunsystems. Es erkennt Eindringlinge in Form von zum Beispiel Viren und versucht diese zu bekämpfen. Problematisch ist Fieber für Kinder dann, wenn es zu einem Fieberkrampf kommt. Manche Kinder neigen dazu, wobei der Fieberkrampf selbst meist keine Gehirnschäden hinterlässt. Es handelt sich dabei um einen Krampfanfall. Dieser wird vom Gehirn ausgelöst, weil es auf das Fieber reagiert. Die Ursache ist bis jetzt noch nicht geklärt.

Der Fieberkrampf kann nur einzelne Körperseiten oder -partien, sowie den ganzen Körper betreffen. Dabei versteift sich der Körper für einige Sekunden und geht dann in ein Zucken der Beine und Arme über. Oftmals speicheln die Kinder stark oder haben Schaum vor dem Mund. Es kann auch eine leichte Blaufärbung der Haut vorkommen. Für gewöhnlich dauert der Fieberkrampf nur 2 bis 3 Minuten. Rufe in jedem Fall den Rettungsdienst!

Da sich das Immunsystem beim Baby erst ausbilden muss, reagiert es auch viel schneller mit Fieber. Dieses Problem wird sich mit der Zeit geben, doch in den ersten Lebenswochen solltest du das Baby möglichst von kranken Menschen oder Kindern fernhalten.

Impfungen sind ein ganz typisches Beispiel für Fieber beim Baby. Oftmals beginnt es ein paar Tage nach der Impfung zu fiebern. Gerade nach der Impfung gegen Masern-Mumps-Röteln haben die meisten Kinder etwa nach 7 bis 10 Tagen Fieber. Das Fieber ist eine Antwort vom Immunsystem. Es hat den Impfstoff als Eindringling erkannt und bildet nun Antikörper. Kommt es später wirklich mit dieser Erkrankung in Kontakt, erinnert es sich praktisch daran und kann sich gegen den Eindringling wehren.

Drei-Tage-Fieber näher betrachtet

Das Drei-Tage-Fieber ist eine besondere Form des Fiebers und trifft fast jedes Kind bis zum dritten Lebensjahr. Natürlich können sich auch ältere Kinder anstecken. Einmal durchgemacht, ist man aber immun. Man kann sich somit nicht erneut anstecken.

Die hochansteckende Viruserkrankung erfolgt über Tröpfcheninfektion und wird durch einen Herpesvirus ausgelöst. Das Kind hat etwa drei bis vier Tage Fieber, gefolgt von einem Hautausschlag, der sich über Brust, Bauch und Rücken zieht und sogar Arme und Beine betreffen kann. Dieser Ausschlag verbleibt zwei bis drei Tage auf der Haut und verschwindet dann wieder. Es kann auch sein, dass das Kind unter Erbrechen oder Durchfall leidet. Manche Kinder haben auch geschwollene Lymphknoten oder Halsschmerzen. 

Das Drei-Tage-Fieber ist zwar unangenehm und geht mit hohem Fieber einher, aber es ist letztlich eine harmlose Virusinfektion. Im Kindergarten kommt die Erkrankung unter Kindern häufiger vor. Durch den schnellen Temperaturanstieg kann es zudem bei den Kindern zu Fieberkrämpfen kommen.

Es ist wichtig, dass du bei einem Fall von Drei-Tage-Fieber immer den Rat eines Kinderarzt einholst und nicht zögerst, den Rettungsdienst zu kontaktieren, wenn es deinem Kind sehr schlecht geht.

Fieber beim Baby richtig senken

Medikamente solltest du bei Babys und Kleinkindern nur nach ärztlicher Anweisung einsetzen. Natürlich kannst du dir aber für den Ernstfall vom Arzt ein fiebersenkendes Präparat verordnen lassen, damit du gerüstet bist. Versuche bevorzugt aber, das Fieber mit fiebersenkenden Maßnahmen zu bekämpfen. 

Sorge in erster Linie dafür, dass dein Baby ausreichend trinkt. Sofern du stillst, kannst du es auch alle 30 Minuten anlegen. Bei hohem Fieber kann der Körper schnell austrocknen. Dein Baby wird jetzt nicht viel Hunger haben. Zwinge es nicht zum Essen, sofern es schon Brei bekommt. 

Ruhe ist für das Kind nun von großer Bedeutung. Sorge dafür, dass es sich ausruht und die Umgebung ruhig ist. Wenn dein Baby sehr unruhig ist, so beruhige es. Wiege es sanft, trage es oder mach, was auch immer es gut findet. 

Achte darauf, dass du das Kind nicht zu warm einpackst. Die Hitze muss entweichen können. Deshalb kleide das Baby lieber etwas leichter und verwende eine dünne Decke. Eingewickelt in dicken Decken kann sich die Hitze schnell stauen und den Zustand des Kindes verschlechtern.

Bei Kindern unter 6 Monaten kann es auch hilfreich sein, wenn du das Baby mit nacktem Oberkörper auf deinen ebenfalls nackten Oberkörper legst. Dies kann helfen, die Temperatur zu regulieren.

Nutze zudem ein einfaches Hausmittel als Erste-Hilfe bei Fieber bei Babys:

  • Wadenwickel werden bei Babys in Form von Armwickel oder Stirnauflagen durchgeführt.
  • Nimm hierfür ein kleines Baumwolltuch, lege es in lauwarmes Wasser und wringe es leicht aus.
  • Das Tuch wird nun um die Arme gewickelt oder auf die Stirn des Babys gelegt.
  • Umwickle das Tuch mit einem trockenen Tuch und lass es 10 Minuten auf der Haut.
  • Warte mit dem nächsten Wickel etwa zwei Stunden ab.

Hast du den Eindruck, der Wickel bekommt dem Kind nicht gut oder werden die Hände oder Finger auffallend kalt, so beende den Wickel. Er sollte sich für das Kind nicht unangenehm anfühlen und es auf keinen Fall unterkühlen.

Beachte: Feuchte Tücher solltest du nicht auflegen, wenn das Kind Schüttelfrost hat. Auch dürfen diese nicht auf Körperstellen gelegt werden, die ohnehin sehr kalt sind. Hat das Kind also kalte Hände, so mach keine Wickel an den Armen.

Du kannst Fieber auch mit pflanzlichen Präparaten behandeln, doch auch hier ist wichtig, dass du immer erst mit einem Mediziner sprichst. Er kann dir ein Produkt empfehlen und dir die richtige Dosierung nennen. Bedenke, dass bei Babys und Kindern schnell eine toxische Überdosierung entsteht, wenn du das falsche Präparat verwendest oder zu viel davon verabreichst.

Niemals darfst du deinem Baby ein fiebersenkendes Mittel für Erwachsene geben. Auch bei den Präparaten der älteren Geschwisterkinder ist Vorsicht geboten, da diese für ein Baby zu stark sein könnten. Sprich immer erst mit einem Mediziner und vergewissere dich, ob du dem Baby das Medikament geben kannst, dass du gerade im Medikamentenschrank gefunden hast.

Lerne das richtige Verhalten bei Fieber

Da hohe Temperaturen beim Baby schnell vorkommen können und das scheinbar ohne Grund, ist es nie falsch, wenn Eltern wissen, wie sie sich im Ernstfall richtig verhalten. Meist greifen Eltern viel zu schnell zu Fiebersäften oder Fieberzäpfchen, obwohl das Fieber nicht hoch ist und sie es auch anders senken könnten. 

Wir, die Macher von 12minutes, sind erfahrene Notfallmediziner und der Besuch bei fiebernden Kindern gehört praktisch zu unserem Alltag. Mit unserem Erste-Hilfe-Kurs möchten wir Eltern das nötige Wissen übermitteln, um auch in dieser Situation richtig zu reagieren. Du kannst den Kurs ganz einfach über deinen Computer machen und dir somit die Zeit für die Einheiten selbst einteilen. Von der Behandlung von kleinen Wunden bis hin zur richtigen Reaktion bei einem Fieberkrampf erklären wir dir alles leicht verständlich.

Nutze diese einmalige Gelegenheit, denn sie bietet dir nicht nur Sicherheit, sondern ermöglicht es dir auch, Leben zu retten, indem du weißt, wie du handeln musst.

Herzliche Grüße
Eure Annalena

P.S. Bei Fragen und Anmerkungen, schreibt mir immer gerne. Ihr erreicht mich via E-Mail unter: [email protected]

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben von:
Dr. med. Annalena Dehé, Mutter und Notfallmedizinerin

Dr. med. Annalena Dehé, Mutter und Notfallmedizinerin


 

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