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Stabile Seitenlage beim Kind: Tipps und Durchführung

Stabile Seitenlage Baby

Ein Unfall ist bei Kindern schnell passiert, deshalb ist es als Elternteil wichtig zu wissen, wie in so einer Notsituation reagiert werden muss. 

Die stabile Seitenlage ist eine Maßnahme der Ersten-Hilfe und wird bei Menschen angewandt, die bewusstlos sind, aber selbstständig atmen. Sie sorgt dafür, dass die Atemwege des Babys oder Kindes frei bleiben. Das bedeutet, Erbrochenes oder Blut können aus dem Mund fließen und ein Ersticken wird verhindert. Bei der stabilen Bauch- oder Seitenlage beim Baby oder Kleinkind ist der Mund der tiefste Punkt. Erbricht das Kind, läuft das Erbrochene aus dem Mund und nicht zurück in die Luftröhre. Gerade das Ersticken an Erbrochenem kann bei Babys einen stillen Tod auslösen.

Babys sollten die ersten 12 Lebensmonate wegen ihrer geringen Körpergröße bevorzugt auf dem Bauch liegend gelagert werden. Der Kopf muss dabei zur Seite gedreht sein, damit auch hier Erbrochenes und Blut aus dem Mund fließen können.

Wann sollte ein Baby oder Kind in die stabile Bauch- oder Seitenlage gebracht werden?

“Dr.

Bei Unfällen ist es wichtig, schnell zu reagieren, denn dies kann das Leben des Babys und Kindes retten. In vielen Fällen wird der Unfall bemerkt, doch anschließend nicht optimal gehandelt, besonders bei bewusstlosen Babys und Kindern. Natürlich sollte der Rettungsdienst immer unverzüglich informiert werden und bis zu seinem Eintreffen ist die richtige Lagerung des kleinen Körpers entscheidend.

Die Bewusstlosigkeit ist gefährlich, weil der Körper in dieser Situation auch nicht mehr über seine sogenannten Schutzreflexe verfügt. So setzen zum Beispiel der Würgereflex, Hustenreflex oder Schluckreflex aus. Im schlimmsten Fall rutscht die schlaffe Zunge in den Rachen und kann somit die Atmung blockieren. Vergewissere dich immer, ob das Kind noch ansprechbar ist oder eine andere Reaktion zeigt. Hierfür kannst du so vorgehen:

  • nenne laut seinen Namen
  • streiche ihm über den Kopf
  • setzte im Zweifel einen Schmerzreiz

Kommt keine Reaktion, muss die Atmung kontrolliert werden. Dabei ist zuerst darauf zu achten, dass sich kein Fremdkörper im Mund- oder Rachenraum befindet. Jedoch werden die Finger nicht einfach blind in den Mund geschoben. Besser ist es, beim Säugling den Kopf in die Neutral-Nullposition zu bringen. Bei Kindern ab einem Jahr wird der Kopf hierfür leicht überstreckt. Sofern ein Fremdkörper zu sehen ist, kann nun versucht werden, diesen vorsichtig zu entfernen.

Achte darauf, ob sich der Brustkorb hebt und senkt. Sind Atemgeräusche zu hören? Kannst du einen Luftstrom aus der Nase oder dem Mund fühlen? Alternativ kann auch ein Spiegel unter der Nase Aufschluss darüber geben, ob das Baby noch atmet. Beschlägt er, ist eine Atmung vorhanden.

Sofern eine Atmung vorhanden ist, sollte die stabile Bauchlage beim Baby oder stabile Seitenlage ab dem vollendeten 1. Lebensjahr Anwendung finden. Diese verhindert, dass das Baby an seiner Zunge oder an Erbrochenem erstickt. Es ist wichtig, die Atmung regelmäßig zu überprüfen, während man auf den Rettungsdienst wartet, da auch eine bisher normale Atmung plötzlich aussetzen kann. 

“Dr.

Bemerkst du keine vorhandene oder eine aussetzende Atmung, so ist die stabile Seitenlage unangebracht, denn in diesem Fall sollte sofort mit einer Beatmung begonnen werden. Bei Babys kommt die Mund-zu-Nase und Mund-Beatmung zum Einsatz, bei Kleinkindern eine Mund-zu-Mund-Beatmung. 

Bei Erbrochenem oder Blut ist es hilfreich, das Kind auf die Seite zu drehen, damit alles ungehindert aus dem Mund fließen kann. Erst dann darf mit der Beatmung begonnen werden.

Wie führt man die stabile Seitenlage bei Babys und Kindern korrekt durch?

Konntest du dich davon überzeugen, dass das Kind über eine normale Atmung verfügt, so kannst du in den nächsten Schritt übergehen und es in die stabile Bauch- oder Seitenlage bringen.

Gehe wie folgt vor:

    1. Drehe das Kind  in die Seitenlage.
    2. Lege ein Kissen oder einen weichen Gegenstand an den Rücken.
    3. Achte darauf, dass der Kopf gerade liegt und der Mund leicht geöffnet ist.
    4. Bleibe auf jeden Fall bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes bei dem Kind sitzen.

 

Gibt es Unterschiede je nach Alter des Kindes?

Umstehende Personen sind oftmals überfordert, wenn es sich um ein Baby oder Kleinkind handelt. Die Vorgehensweise ist jedoch annähernd gleich wie beim Erwachsenen. 

Da beim Baby das obere Bein zu knapp ist, wird es nicht wie bei den Erwachsenen angewinkelt abgelegt, gleiches gilt für den oberen Arm. Deshalb wird hier die stabile Bauchlage verwendet. Das Baby liegt ganz normal auf dem Bauch, den Kopf zur Seite gedreht, damit Blut und Erbrochenes abfließen können. 

Kinder ab einem Jahr können dagegen ohne Probleme in die bekannte stabile Seitenlage gebracht werden. Hier liegt der untere Arm angewinkelt neben dem Körper, das untere Bein ist ausgestreckt. Das obere Bein liegt angewinkelt über dem ausgestreckten Bein auf dem Boden und stabilisiert den Körper. Der obere Arm kommt angewinkelt mit dem Handrücken unter das Gesicht des Kindes, um den Kopf zu stabilisieren. Der Kopf wird dabei leicht überstreckt.

“Dr.

Gibt es Unterschiede bei Erwachsenen?

Die Anwendung der stabilen Seitenlage bei Kindern unterscheidet sich nicht von der bei Erwachsenen. Lediglich Babys werden einfacher und in gerader Position gelagert. Dies hat aber den Grund, dass die Extremitäten einfach noch zu kurz sind, um sie stützend neben dem Körper abzulegen.

Welche Risiken gibt es bei der stabilen Seitenlage?

Die stabile Seitenlage beim Kind verhindert ein Ersticken, kann jedoch in manchen Fällen auch Risiken bergen. Diese sind unter anderem die Verschlimmerung von Knochenbrüchen oder Wirbelsäulenverletzungen, sofern die betroffene Person einen Unfall hatte. Bei der Durchführung der stabilen Seitenlage ist in solchen Fällen besondere Vorsicht geboten, da das Baby bewegt wird und dies eventuell zu weiteren Fehlstellungen gebrochener Knochen führen kann. Jedoch solltest du immer im Hinterkopf behalten, dass ein Bruch behandelt werden kann und somit nicht so schlimm wie das Ersticken ist.

Ein weiteres Problem ist es, die Atmung zu überprüfen. Diese kann auch in der stabilen Seitenlage plötzlich aussetzen. Deshalb sollte das betroffene Kind nicht unbeaufsichtigt abgelegt werden. Eine Person sollte bei ihm bleiben und die Atmung kontrollieren. So kann gegebenenfalls gleich mit einer Beatmung oder sogar Reanimation begonnen werden.

Um die Atmung im Blick zu behalten, kannst du eine Hand auf den Rücken oder Brustkorb des Babys legen, um zu fühlen, ob sich dieser hebt und senkt. Alternativ kannst du einen Spiegel vor dem Gesicht platzieren. Beschlägt dieser, ist eine Atmung vorhanden. 

Den Puls über das Handgelenk fühlen, ist für den Laien oftmals schwierig, zumal dieser sehr schwach sein könnte. Lege alternativ deinen Finger seitlich auf den Hals, genau an der Stelle, an welcher die Halsschlagader pulsiert. Hier lässt sich auch ein schwacher Puls meist noch gut fühlen.

Der Rettungsdienst braucht in der Regel nicht lange, bis er da ist. Dennoch solltest du etwa im Minutentakt kontrollieren, ob die Atmung und der Puls noch aktiv sind. Sobald der Notarzt eintrifft, wird er für dich übernehmen und sich um das Baby oder Kind kümmern.

Auf keinen Fall solltest du bei einem Kind unter 12 Monaten den Kopf überstrecken, so wie es bei der stabilen Seitenlage üblich ist. Dies kann bei Babys die Atemwege verengen und infolgedessen zu Atemnot oder Ersticken führen. Lege den Kopf einfach in eine neutrale Position, mit leicht geöffnetem Mund.

Wann darf man die stabile Seitenlage nicht machen? Die stabile Seitenlage sollte nicht angewendet werden, wenn der Betroffene schwere Verletzungen an der Wirbelsäule oder anderen Knochen hat, beispielsweise durch einen Sturz aus großer Höhe. Diese könnten durch die Bewegung verschlimmert werden. Außerdem darf sie nicht angewendet werden, wenn beim Betroffenen keine Atmung vorhanden ist. In diesem Fall ist der sofortige Beginn der Reanimation notwendig. 

Gibt es Alternativen zur stabilen Seitenlage für sehr junge Kinder?

Da Babys für die stabile Seitenlage häufig zu klein sind, kann hier auch die Bauchlage genutzt werden. Wichtig ist jedoch, dass der Kopf des Babys auf die Seite gedreht wird. So bleibt der Mund frei und Erbrochenes kann abfließen. 

Eltern sind natürlich besorgt und so kann es sein, dass du das Baby auf keinen Fall ablegen möchtest. Jedoch sollte es nicht einfach so auf dem Arm getragen werden, wenn es bewusstlos ist. Würde es erbrechen, könnte dies unter Umständen in die Luftröhre geraten. Deshalb ist es wichtig, das Baby wenigstens so im Arm zu halten, dass auch hier Blut und Erbrochenes gut über den Mund ablaufen kann. Der Fliegergriff, bei dem das Baby mit dem Bauch auf dem Unterarm der Eltern liegt, wäre hier eine Möglichkeit. Ein Vorteil ist hier natürlich, dass du die Atmung des Babys auf deinem Arm spürst und zur Not schnell handeln kannst.

Wie oft sollte man seine Kenntnisse in Erster Hilfe auffrischen?

Wenn du bereits einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hast, kann es sein, dass manche Dinge bereits in Vergessenheit geraten sind. In diesem Fall ist es ratsam, dein Wissen spätestens alle 2 Jahre aufzufrischen. Nur so bist du im Ernstfall gut gerüstet.

Vor allem als Elternteil weißt du, dass ein unerwarteter Unfall schnell passieren kann. Ob im Haushalt oder auf dem Spielplatz – überall lauern Gefahren und manche Kinder neigen einfach mehr zu Unfällen als andere. Der Erste-Hilfe-Kurs lehrt dich, wie du in solchen Situationen am besten reagieren kannst. Je mehr Kurse du bereits besucht hast, desto routinierter kannst du in einem Notfall handeln und Leben retten. Ein Online-Kurs bietet dir hier die Chance, auch nach Abschluss kontinuierlich zu üben. 

Wenn du im Ernstfall das Beste für dein Kind geben möchtest, so kannst du von unserem 12 Minutes Online-Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kinder profitieren. Hier lernst du alles, was du wissen musst und wie du es richtig anwendest. Überlasse das Leben deines Kindes nicht der Hoffnung, dass der Rettungsdienst schnell genug ist, sondern lerne, wie du selbst helfen kannst.

Alles Gute und herzliche Grüße
Lukas

 

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

 Autorenkarte Dr. med. Lukas Dehé vor Helikopter mit Text

 Dr. med. Lukas Dehé
Vater, Notfallmediziner (u.a. Rettungshubschrauber) und Gründer von 12minutes


 

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